Anti-Atom-Bewegung: und was machen wir jetzt?

Wie ist eigentlich diese Fülle an Anti-Atom-Aktionen zustande gekommen, wie geht es jetzt weiter und wer entscheidet darüber? – Die Menschenkette von Stuttgart bis zum AKW Neckarwestheim am 12.3., also unmittelbar nach dem Tsunami und Beginn der Reaktorkatastrophe in Japan mit 60.000 Menschen war ein Auftakt zu einer unerwarteten Welle. Die Aktion selbst sollte eigentlich im Vorfeld der Landtagswahl den Druck auf die Landesregierung erhöhen, die Veranstalter hatten mit 20.000 – 40.000 TeilnehmerInnen gerechnet. Schon am Wochenende gab es dann erste Spontandemos – in Hamburg von den GenossInnen vom SDS organisiert – und am Montag dann nach Zählung von .ausgestrahlt 450 Mahnwachen mit 110.339 Menschen.

Die 339 erscheinen dabei vielleicht etwas übertrieben genau, hatten aber bestimmt ihren Anteil, diese Zahl in den Medien durchzusetzen (neben der Tatsache, dass es keine Gegenzahlen der Polizei gab). Bei den Großdemonstrationen in München, Berlin, Köln und Hamburg am 26.03. vermeldeten die OrganisatorInnen eine Viertelmillion TeilnehmerInnen, die größtenteils aus dem näheren Umfeld der Demoorte kamen.

Während die am Ostermontag zum 25. Jahrestag von Tschernobyl geplanten Aktionen an den Atomanlagen schon lange vor Fukushima und der Moratoriumsdebatte geplant waren, ist der Vorschlag von Großdemonstrationen am 28.05. neu entstanden – diesmal in 20 Städten, um mehr Menschen eine Demoteilnahme ohne lange Reisen zu ermöglichen, aber trotzdem noch kraftvolle Großdemonstrationen zu haben.

Auch in aktionsorientierteren Spektren tut sich was – die explizit gewaltfreie  Gruppe x-tausend-mal-quer, die personell und politisch eng mit dem professionellen Kampagnennetzwerk .ausgestrahlt verbunden ist, hat für das Ende des Moratoriums Sitzblockaden vor AKWs angekündigt, die dann wieder angefahren werden sollen.

Bei der Frühjahrskonferenz der Anti-Atom-Initiativen in Kassel traf sich außer den lokalen Standortgruppen auch der radikalere Aktionsflügel – autonome Gruppe, die Interventionistische Linke, Leute, die Castor schottern!  zumindest gut fanden oder dabei waren.

Auch aus diesem Kreis ist sicherlich noch etwas zu erwarten, bevor es im Spätsommer zu einer Abschaltblockade nach Neckarwestheim (wo nur der alte Block vom Moratorium erfasst wird!) und im November vielleicht wieder ins Wendland gehen soll. Die diese Woche stattfindende Blockade der RWE-Aktionärsversammlung in Essen wird nach meinem Eindruck vor allem regional aus dem Ruhrgebiet getragen – hat aber größte Sympathien auf vielen Seiten. Ich finde sie vor allem toll, weil sie das Problem der kapitalistischen Struktur unserer Energieversorgung in den Vordergrund zerrt.

Aus welchen dieser Vorschläge und Pläne dann große Aktionen und Kampagnen werden, hängt neben der Qualität der Ideen auch von den Ressourcen und Netzwerken derer, die sie vorantreiben ab. In Kassel gab es auch Debatten um Demokratiedefizite in der Bewegung, Beschwerden über ein ‚Überrollen‘ kleinerer Initiativen durch die großen, professionellen Verbände gemischt mit Unmut, dass diese in den letzten Jahren zugunsten breiter Bündnisse (etwa mit Gewerkschaften) auf radikalere Forderungen wie das sofortige Abschalten verzichtet hatten.

Das hängte sich hin und wieder an einem taz-Artikel auf, der bei allen humoristischen Qualitäten wahrscheinlich einen Funken Wahrheit enthält: Den Anstoß zu den großen Massendemonstrationen und Menschenketten hat in den letzten Jahren immer wieder ein relativ kleiner informeller Kreis gegeben, der in den letzten Wochen schnell handlungsfähig war. Deshalb wurden viele nicht in Entscheidungen einbezogen – aber deshalb sind die großen Demonstrationen am 26.03. überhaupt zustande gekommen.

Und am Ende ist es egal, wie groß die eigenen Netzwerke sind (es sei denn, man ist DGB-Vorsitzender): Jeder Aufruf zu einer Aktion ist nur eine Wette auf die Bereitschaft einer Bewegung, die sich Woche um Woche neu und anders zusammensetzt. Am 26.03. wurde diese Wette gewonnen. In den nächsten Wochen liegt es an uns, eine gute Wette auf die Bereitschaft zum zivilen Ungehorsam gegen den Weiterbetrieb von AKWs abzuschließen.

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Eine Antwort zu Anti-Atom-Bewegung: und was machen wir jetzt?

  1. fepix schreibt:

    so, dieser und andere Posts sind jetzt nach den Hinweisen meines Mitbewohners um ein paar Rechtschreibfehler ärmer – wer noch andere Anmerkungen hat, darf sie behalten oder hier der Welt kundtun 😉

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