Erfolgreicher Anti-Atom-Tag

Bahntechnisch war heute deutlich nicht mein Tag – erst morgens die falsche Uhrzeit gemerkt und den ersten Zug Richtung Braunschweig verpasst, dann auf dem Rückweg erst eine absurde Verbindung gewählt und fast eine dreiviertelstunde später als möglich in Hamburg angekommen.

Aber sonst kann ich mich nicht beklagen – hundertzwanzigtausend TeilnehmerInnen an den Aktionen zum 25. Tschernobyl-Jahrestag sind wesentlich mehr, als ich vor einigen Tagen erwartet hätte und die bei Schacht Konrad gezählten elftausend ein vielfaches von dem, womit ich gerechnet habe. Also auch ein guter Startschuss für die heute begonnene Mobilisierung zu Block Brokdorf, einer Kampagne, die ab dem Pfingstwochenende Deutschlands zweitjüngstes AKW blockieren will.

Kundgebung bei Schacht Konrad, Braunschweiger Land (foto: flickr, Aktionstag 25.04)

Die Idee ist, dass die Bundesregierung zum Ende des Moratoriums ein politisches Angebot machen muss, um die Anti-Atom-Bewegung zu befrieden – also zumindest weiten Teilen der Bewegung das Gefühl zu geben, das Wesentliche sei erreicht und man könnte jetzt Ruhe geben. SPD und Grüne haben das vor zehn Jahren mit dem „Atomkonsens“ weitgehend erreicht – obwohl der eine jahrzehntelange Bestandsgarantie für die AKWs vorsah. Dieses Jahr könnte das z.B. bedeuten, dass die älteren AKWs nach dem Moratorium ganz oder zum großen Teil abgeschaltet bleiben, dass Kraftwerke sicherheitstechnisch nachgerüstet werden und dass die Laufzeitverlängerung ganz oder teilweise zurückgenommen wird.

Dabei gilt immer noch: Der Betrieb von Atomanlagen ist nicht erst in zehn Jahren, sondern schon heute unverantwortlich. Jeden Tag wird neuer Müll produziert, jeden Tag werden ArbeiterInnen in den Unranminen verstrahlt und jeder Tag könnte der eine Tag zuviel sein, an dem ein katastrophaler Unfall passiert. Deshalb fordert ein großer Teil der Anti-Atom-Bewegung, sofort abzuschalten – und will im Juni zeigen, dass man die Beruhigungspille, wie auch immer sie aussehen mag, nicht annimmt.

Brokdorf ist dafür als zweitjüngstes Kraftwerk ein gutes Symbol – außerdem finden dort im Juni Revisionsarbeiten statt, für die ein vielfaches des üblichen Werksverkehrs nötig ist. Es gibt also etwas zu blockieren – und mit jeder Behinderung kann eine Blockade das Wiederhochfahren des Reaktors verzögern.

Für ältere AktivistInnengenerationen erinnert der Name Brokdorf zudem an massive Auseinandersetzungen am Bauzaun des AKW in den achtziger Jahren. Das bekannte Brokdorf-Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1985, das ein Recht auf Demonstrationen in Sicht- und Hörweite des Protestgegenstands erklärte und heute oft Grundlage dafür ist, eine Gegendemo nicht am anderen Ende der Stadt als den Naziaufmarsch machen zu müssen, erfolgte aufgrund einer Klage gegen das Verbot einer Demonstration im Jahr 1981. (Der oben verlinkte taz-Artikel gibt einen ganz guten Überblick über die Protestgeschichte Brokdorfs)

Also, mit vielen GenossInnen des Jugendverbands blockieren wir Brokdorf? Wer aufs Pfingstcamp will, kann sich spätestens zum Ende des Wochenendes anschließen – die Blockaden werden nicht nur bis Montag dauern.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Anti-Atom-Bewegung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Erfolgreicher Anti-Atom-Tag

  1. m schreibt:

    super! Mobilisierung heute hat Spaß gemacht – macht Latschdemos mit Grünen/Spd-Fahnen erträglicher 🙂 (obwohls auch gar nicht so viele Parteifahnen waren)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s