Naziaufmarsch in Bremen – Pfefferspray, Polizeiprügel und Kurioses aus der Presse

Etwa 160 Nazis konnten heute in der Bremer Neustadt ihre Demo durchführen – also eine Niederlage für den Versuch, genau das wie zuletzt 2006 in Bremen-Walle mit Blockaden zu verhindern. Andererseits mussten die Nazis angesichts des Widerstands schon mehrmals ihre Pläne reduzieren: Ursprünglich wollten sie am ersten Mai einen ‚Sozialkongress‘ mit Demonstration in der Innenstadt durchführen, dann dasselbe einen Tag früher. Jetzt sind sie am 30.04. auf der anderen Weserseite gelandet, mit einer Demoroute, für die sie laut Presse eine halbe Stunde gebraucht haben (und die in den letzten Tagen noch mal um eine Straßenecke verkürzt wurde). Diese Strecke konnten 3.000 PolizistInnen unter massivem Einsatz von Pfefferspray und von Schlagstöcken verteidigen werden – obwohl es einige beeindrucken entschlossene Durchbruchsversuche gab, wie ich persönlich sie noch nicht erlebt habe: Menschen, die in einer engen Straße durch eine Polizeikette hindurchdrängen und trotz Schlägen und Pfeffer weitergehen und -laufen, und so viele, die nachrücken, dass die Polizei die Sperre nicht halten kann.

Leider gab es immer noch mindestens eine andere Straße vor der Naziroute, in der dann genügend kampfgepanzerte Einheiten standen oder angerannt kamen, an denen es dann nicht mehr vorbeiging. Und das einzige mal, dass eine Absperrung nah an der Route dünn genug besetzt war, reichte dann die Entschlossenheit einiger hundert GegendemonstrantInnen nicht aus, um durchzugehen. Immerhin gelang es hunderten noch, bis an die Absperrungen unmittelbar an der Naziroute vorzurücken und die NPD von dort mit Sprechchören zu beschallen. Die taz berichtet auch von Wasserbomben, die aus und von Häusern an der Route auf die Nazis flogen. Und die Abreise der Rechten wurde noch duch eine Sitzblockade der Gleise vom Bahnhof Neustadt zum Hauptbahnhof blockiert – alles in allem doch kein ganz unerfolgreicher Tag also.

Allerdings auch keiner ohne Kuriositäten etwa bei der Berichterstattung: So zeigt Radio Bremen auf ihrer Internetseite einen massiven Pfeffersprayeinsatz und beschreibt das Bild mit „Polizisten stoppen Demonstranten mit Wasserstrahlen“. Ich weiß ja nicht, ob ich die journalistische Unfähigkeit oder die Verharmlosung schlimmer finden soll… Update: Das hat da jetzt auch jemand gemerkt, inzwischen steht da Reizgas. Der Weser-Kurier weiß dagegen, dass die Gegendemonstranten, die „etwas mehr tun“ und den Naziaufmarsch blockieren wollten, gewaltbereit waren. Worin diese Gewaltbereitschaft bestand oder sich äußerte, ist mir jetzt unklar (sie meinen wohl nicht die Bereitschaft, Knüppel und Pfefferspray zu kassieren).

Großes Kino lieferte auch die SPD, indem sie sich gegen die Absprachen und den expliziten Aufruf vom Lautsprecherwagen mit ihren Fahnen vorne in die Demo einreihte – ist ja auch gerade Wahlkampft in Bremen…

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