Sommercampgeschichte(n)

In der ersten Augustwoche findet ja mal wieder unser Sommercamp statt – zum inzwischen dritten mal in Thüringen, genauer gesagt auf der Rabeninsel bei Jena. Als ich vor ein paar Tagen durch die Liste an feststehenden Workshops ging, um zu überlegen, was ich vielleicht noch anbieten könnte, habe ich dann festgestellt, dass irgendwer zugehört hatte, als ich schon mal so Vorschläge gemacht hab. Und schwupps, stehe ich mit einem Aktionstraining und nem Workshop zur Organisierungsfrage drin. Die Workshopliste sieht finde ich sonst auch schon ganz spannend aus, nur unsere Schwäche was soziale Kämpfe im engeren Sinn angeht wird mal wieder deutlich…

Für alle, die sich auch schon aufs campen freuen und anders als ich sogar die ganze Woche dableiben können (so nen regulärer Arbeitsplatz hat echt seine Nachteile…) im folgenden ein paar Erinnerungen an vergangene Sommercamps unseres Verbandes:

Mein erstes war im Sommer 2003 am Störitzsee in Brandenburg, wo der Landesverband heute noch seine Pfingstcamps durchführt. Der Artikel dazu im Disput, damals das Mitgliedermagazin der PDS, trifft auch einige meiner zentralen Erinnerungen:

Die Nachtrallye, die inzwischen ein fester Programmbestandteil ist (nicht beschrieben wird, dass wir das ganze als organisierte Veranstaltung mit mehr als drei Leuten beim Förster hätten anmelden müssen, der uns wiederum wegen bestehender Waldbrandwarnung die Genehmigung verweigert hätte. Also haben wir das ganze lieber illegal gemacht und allen Teilnehmenden höllische Angst vor dem Förster mit seinem Hund gemacht. Ok, vielleicht hätten wir danach die Stationen nicht auf Hochsitzen machen sollen, das hat dann doch einige zu sehr geflasht ;-)).

Die Zerwürfnisse um den Rücktritt einer Bundessprecherin – wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, ist die Beschreibung im DISPUT da eher schmeichelhaft. In dem Jahr hatte bei der Bundesdelegiertenkonferenz im Braunschweig einen deutlichen politischen Richtungswechsel ins Radikale gegeben und der Rücktritt war sozusagen Teil der daraus folgenden Auseinandersetzungen. Darüber hinaus erinnere ich mich an einen ziemlich schönen See (gegen den das Ding in der Mitte der Rabeninsel leider nicht wirklich ankommt) und grauenhaftes Essen. Ich selbst hatte fürs SoCa einen Workshop zum europäischen Verfassungsentwurf vorbereitet – damit haben wir mal wieder lange vor der Partei ein Thema aufgegriffen, dass später noch groß werden sollte 🙂

Unser Sommercamp 2004 war knapper vorbereitet und mobilisiert und entsprechend kleiner – wir haben die Planung erst nach der Wahl des BSPR im Frühjahr wirklich angefangen und das war dann doch ein bisschen spät. Trotzdem hatten wir eine großartige Woche in Plötzky in Sachsen-Anhalt. Im Netz habe ich jetzt nichts davon gefunden – wohl aber eine kleine Liedersammlung aus Brandenburg von Anfang 2004. Traditionelles Liedgut der ArbeiterInnenbewegung wurde (nicht nur) auf Sommercamps früher ohnehin recht intensiv gepflegt – wenn auch vielleicht nicht immer in angemessener Stimmung und berauschender musikalischer Qualität.

Das Sommercamp 2005 in Ratzeburg in Schleswig-Holstein war dann wesentlich verregneter, als das Video ahnen lässt:

Geprägt war es aber auch von nervenaufreibenden Debatten um die Neuformierung eines linken Jugendverbandes oder -netzwerks vor allem mit der dissidenten Fraktion der JungdemokratInnen, die sich der Partei zugewandt hatten, einigen Menschen aus WASG-Jugend-Zusammenhängen (das waren konkret Leute von Linksruck und SAV) und gleichzeitig noch der Mehrheitsfraktion von jdjl. Aber wie ihr im Video seht, hat es auch Spaß gemacht. Einen Artikel in der ZEIT gab es auch davon – aber online ist der leider nicht und wie Tobias mir inzwischen geschrieben hat ist der auch online.

Das Sommercamp 2006 in Schwaan habe ich dann verpasst – der Ort in MV war schon mal eine Vorausrichtung auf den G8-Gipfel im folgenden Jahr, aber mir aus Südamerika doch ein bisschen zu weit weg. Bei youtube gibt es auch das Video davon (http://www.youtube.com/watch?v=Bo0HGBhq6S8) – aber leider wegen Urheberrechtsscheiß gesperrt. Update: Aber jede Sperre kennt eine Umgehung – danke an Robert!

2007 fiel dann aus, Campen beim und Organisieren des G8-Gipfels haben alle Kräfte derer gebunden, die sonst auch die Verbandscamps gestemmt haben. Dafür gibts hier ein Video vom Weg unseres Teils von Block G8 zu den Blockaden – inklusive solid-Lautsprecherwagen.

Im folgenden Jahr waren wir mit einem Barrio auf dem Klima- und Antiracamp in Hamburg vertreten – ein Sommercamp des Landesverbandes Hessen wurde im gleichen Jahr von Nazis angegriffen, wobei eine Teilnehmerin schwer verletzt wurde. Ich war selbst nicht auf dem Camp, kannte aber einige Leute, die da waren sehr gut – so nah ist mir beinahe tödliche Gewalt noch nie vorher und seitdem zum Glück nicht wieder gekommen.

Von den Sommercamps 2009 und 2010 finde ich jetzt erst mal keine Dokumentationen im Netz – weder Videos noch Berichte. Aber da gibt es ja auch mehr Leute, die sich erinnern. 2009 hat bei mir allerdings vor allem die Sorge vor Nazistress Spuren im Gedächtnis hinterlassen (ok, und andere Geschichten, die ich hier nicht erzähle), letztes Jahr habe ich gerade in England meine Masterarbeit geschrieben. Also auf ein neues SoCa!

Ach ja, für alle die bis hier gelesen haben: Es gibt dieses Jahr einen Frühbucherrabatt, um besser vorplanen zu können – früh anmelden lohnt sich also…

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3 Antworten zu Sommercampgeschichte(n)

  1. Den Zeit Artikel vom Sommercamp gibts noch im Netz. Hab ihn noch mal rausgesucht, war ja schließlich mein erstes Sommercamp 😉 http://www.zeit.de/2005/33/Jugend_2fLinks_33
    lg, Tobias ausm Pott

  2. Pingback: Berlin schon wieder | fepix

  3. Pingback: Sommercampen im Jugendverband | fepix

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