sexistische Kackscheiße…

Weil es ja auch in unserem Verband Genossen gibt (auch Genossinnen, aber sehr viel seltener), die bezweifeln, dass es in dieser Gesellschaft ein strukturelles Herrschafts- und Gewaltverhältnis zwischen Männern und Frauen gibt und wir da als Verband (auch nach innen) etwas gegen tun müssen, hier mal so die letzten Beispiele, die mir über den Weg gelaufen sind: Die taz will einen Kommentar von Anne Roth zum Handydatenskandal in Dresden. Anne Roth ist seit einigen Jahren als Bloggerin vor allem zu Überwachungs- und Repressionsfragen bekannt geworden und deshalb keine ganz unlogische Ansprechpartnerin. Am Ende gibt es keinen Kommentar von ihr – die taz hätte ihn nur genommen, wenn sich der erste Satz auf das §129a-Verfahren gegen ihren Lebensgefährten Andrej Holm bezogen hätte. Zumindest einer der guten Progressiven von der taz kann eine politisch aktive Frau wohl leider nur als „Freundin von..“ denken.

Dann war da noch die Geschichte mit dem kanadischen Polizisten, der bei einem Vortrag vor Studierenden meinte, Frauen sollten vermeiden „sich als Schlampen zu kleiden, um nicht Opfer von sexueller Gewalt zu werden“. Wenn jemand nicht genug hat, setzt euch bei einem Spiel der Frauen-Fußball-WM in die Kneipe und hört entweder den Kommentatoren oder den Leuten um euch herum zu – ein schneller Sieg im Bullshit-Bingo dürfte euch sicher sein.

Zumindest die Geschichte aus Kanada hat nicht nur für den Volltrottel von einem Polizisten Folgen gehabt – in Reaktion darauf gab es eine Demonstration von 2.000 Menschen durch Toronto und inzwischen eine ganze Welle von „Slutwalks“ (Schlampenmärsche), auf denen u.a. gegen Vergewaltigungsmythen (etwa die Unterstellung, betroffene Frauen seien aufgrund ihrer Kleidung, der Orte an denen sie sich aufhielten… mitschuldig oder selbt schuld an einer Vergewaltigung) demonstriert wurde. Am 13. August sollen solche Demos auch in Deutschland stattfinden – ich finde, eine ganz großartige Belebung feministischer Bewegung hierzulande, auch wenn (oder auch gerade weil) z.B. die Frage, ob es Sinn macht, den Begriff Schlampe positiv vereinnahmen zu wollen, noch längst nicht ausdiskutiert ist.

Ich finde, das wäre ein guter Moment, als Jugendverband mal wieder einen Anlauf für eine aktivere feministische Politik zu machen – es ist doch ermüdend und frustrierend, immer nur aufs neue Debatten um die Quotierung zu führen (die trotzdem wichtig sind und ich auch immer wieder mitmache). Und ein bisschen Material dazu zu entwickeln, kann ja auch ein guter Ansatz sein, das ganze selbst zu diskutieren und die eigene Auseinandersetzung mit der sexistischen Kackscheiße zu führen, die wir ja auch als Linke in unserem Selbstbild, unserer Weltsicht und unserem Handeln mit uns rumtragen.

(Oh, das erinnert mich gerade an die grauenhaften biologistischen Thesen, die jemand auf unserem Sommercamp in Ratzeburg zur Genderfrage vertreten hat, was dann Mitauslöser der Gründung eines feministischen Arbeitskreises bei [’solid] war. Ich hoffe schwer, dem Menschen ist das, was er damals verzapft hat, heute so peinlich, dass er hier nicht genannt werden will. Naja, an der Meßlatte dieses Abends gesehen können Feminismusdebatten auf dem diesjährigen Sommercamp fast nur gut werden – aber ob sie dann auch so was nachhaltiges Auslösen wie die Gründung eines einige Jahre aktiven Arbeitskreises wäre abzuwarten…)

Update: Jule hat mich noch auf einen Artikel von Katharina Volk in der AK hingewiesen, in der sie zentrale Fragen darstellt, vor denen Feminismus gerade steht.

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