Schlaflos…

war ich in den letzten zwei Nächten aus recht unterschiedlichen Gründen: Am Freitagabend blieb mein Zug in Richtung Porstendorf wegen eines Blitzeinschlags irgendwo in Sachsen-Anhalt liegen – als er endlich weiterfuhr, war an meine ursprünliche Verbindung zum Bahnhof in Laufweite des Sommercams längst nicht mehr zu denken. Doch mit einem außerplanmäßigen Halt in Bitterfeld sollte zumindest ein Anschluss nach Jena organisiert sein – wo mich GenossInnen abgeholt hätten und was wohl auch funktioniert hätte, wenn nicht der dann folgende Zug eine Stunde Verspätung gehabt hätte. So strandete ich zunächst gegen halb zwei in Weimar, von wo kurioserweise immerhin nachts um drei noch ein Zug nach Jena weiterfuhr.

Nach zwei weiteren mittellangen Bahnhofsaufenthalten und die erfüllte Hoffnung, nicht auf frühanreisende BesucherInnen der NPD-Veranstaltung Rock für Deutschland in Gera zu treffen kam ich dann gegen halb acht morgens beim Sommercamp an, was zumindest noch für eine gute Stunde Schlaf bis zum Frühstück reichte. Einen kurzen Adrenalinstoß gab es noch, als ein um diese Zeit noch oder schon angetrunkener Mitreisender mich kurz vor dem Ausstiegen fragt, was ich denn in Porstendorf vorhätte – vorsichtshalber und übermüdeterweise habe ich mir dann doch Freunde ausgedacht, mit denen ich auf der Saale paddeln wollte.

Den Vormittag und Mittag nahm dann die Sitzung des BundessprecherInnenrates ein (deren Protokoll übrigens über den LV-Verteiler verschickt wird und so allen Verbandsmitgliedern mindestens über ihre LandessprecherInnenräte zugängig sein sollte. Oder ihr fragt bei uns nach…). Themen waren unter anderem das Bundesarbeitskreisewochenende am 07./08.Oktober, die Mobilisierung und Aktionsvorbereitung im Verband zum vorerst letzten Castortransport ins Wendland im November (Projekttitel: ‚Die letzte Schlacht gewinnen wir‘) sowie die Kampagne ‚Bundeswehr raus aus den Schulen‘.

Neu diskutieren müssen wir wohl unsere internationale Politik: Wir haben uns in den letzten Jahren immer sehr dafür eingesetzt, das eigenständige Jugendverbandsnetzwerk ENDYL als Plattform der Kooperation linker Jugendverbände in Europa zu beleben uns auszubauen. Das war allerdings nach einer relativ produktiven Phase etwa in der Hochzeit der Europäischen Sozialforumsbewegung (ca. 2003-2005) zuletzt ziemlich zähe Arbeit, und nur wenige Verbände haben in den letzten Jahren noch Zeit und Kraft in die Arbeit von ENDYL investiert. Deswegen bin zum Beispiel ich jetzt offener für den erneuten Vorstoß unserer griechischen GenossInnen, eine Jugendverbandsplattform im Rahmen der bzw. angelehnt an die Europäische Linkspartei zu gründen. In diesem Punkt war es auf jeden Fall auch gut, dass noch jemand von uns die Einladung zum Sommercamp in Griechenland annehmen konnte (einen Bericht dazu gibt es im nächsten e-mail Newsletter). Das sollten wir in den nächsten Wochen disktutieren – dazu und den grundsätzlichen Fragen, was wir überhaupt von einer internationalen Zusammenarbeit erwarten, sollten sich gerne auch andere als der BSPR und der BAK Internationales äußern. Es geht schließlich sozusagen um die Außenpolitik des gesamten Verbandes…

Aus der Bundesgeschäftsstelle und von einem der Regionalmitarbeiter des Jugendverbands gab es erstes Feedback zur Telefonaktion, mit der ein Großteil der Basisgruppen kontaktiert wird, um u.a. die Kontaktdaten für Materialversand etc. zu aktualisieren und Interesse an den anstehenden Aktion abzufragen.

Eine kleine Unterbrechung der Sitzung gab es, als wir die Meldeadresse eines bei den Protesten gegen die NPD in Gera kurzfristig festgenommenen Genossen herausfinden mussten, um sie dem Ermittlungsausschuss zu übermitteln (wie sich später herausstellte, wurde er eine halbe Stunde zur Personalienüberprüfung festgehalten und konnte dann wieder gehen). Während die Hitze unter dem Sonnendach ein Bad im knapp 15 Meter entfernten See recht attraktiv gemacht hätte, diskutierte der BSPR noch den Stand der Erstellung eines grundsätzlichen Vorstellungsflyers für den Verband (Entwurf ist wohl bald fertig), eines Flyers zur Ausbildungspolitik (Entwurf ging schon rum und wird in der nächsten Woche besprochen) sowie eines Imagevideos über den Verband (gibt noch keinen neuen Stand).

Dabei kam zwischendurch die Frage auf, ob wir solche Diskussionsprozesse nicht transparenter für viele Verbandsmitglieder gestalten könnten. Ich wäre dagegen, solche Entwürfe über den LV-Verteiler, auf dem alle LandessprecherInnen eingetragen sind (sein sollten) zu verschicken oder gar zu diskutieren – aber wenn es daran Interesse und kein Veto aus dem BSPR gibt (wovon ich nicht ausgehe) würde ich mal so Entwürfe hier auf dem Blog veröffentlichen und zur Debatte stellen.

Am Nachmittag war ich dann noch im Rest eines spannenden Workshops über Staatstheorien: Ist der Staat ein neutrales Werkzeug in den Händen der herrschenden Klasse (Lenin), lässt seine Form und Existenz sich auf die eine oder andere Art logisch aus den Notwendigkeiten des Kapitalismus erklären (‚Staatsableitungsdebatte‘) oder ist er am besten als ‚materielle Verdichtung von Kräfteverhältnissen‘ zwischen Klassen und Klassenfraktionen erklärbar (Poulantzas)? Oder sollte wir ihm einfach den Rücken zukehren und unser eigenes Ding machen (Holloway)?

Zum Abend gab es noch ein letztes Campplenum (dazu und zu dem, was ich vom Soca an sich mitbekommen habe in den nächsten Tagen noch mehr) und ein paar schöne Gespräche am Rande. Um zum Titel des blogs zurückzukommen: Ich war zwar gegen Mitternacht im Bett (vielmehr Zelt), habe aber von vier bis acht Uhr morgens die zweite Nachtschicht übernommen und deshalb wieder nur zwei kurze Schlafphasen gehabt. Um zehn ging es dann los mit Frühstück und Abbau, um zwanzig nach vier haben einige der letzten ZugfahrerInnen Porstendorf verlassen, während die Autocrews noch auf den letzten Transporter warteten um das Einladen anzuschließen.

to be continued…

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