Sommercampen im Jugendverband

Das Sommercamp war dieses Jahr wieder eine Runde größer als letztes mal – allerdings noch kleiner als die größeren Sommercamps von [’solid] 2005 und 2006 – obwohl der Verband damals viel weniger Mitglieder hatte. Haben wir einfach nur eine Tradition wegbrechen lassen, die wir jetzt Stück für Stück wieder aufbauen? Oder reichen die Pfingscamps ihrer Landesverbände einfach vielen aus und der Bedarf an einem bundesweiten Camp ist nicht mehr so groß? So oder so ist unsere Campkultur erst mal im Aufwind – und das ist gut so, denn Sommercamps leisten glaube ich vieles, wofür im Verband sonst zu wenig Raum bleibt – zum Beispiel der tiefere politische Austausch ohne Abstimmungsdruck oder das Erlernen und Ausprobieren von Selbstorganisation.

Das ersteres auf dem Camp dieses Jahr gut gelaufen ist, weiß ich vor allem aus Berichten –

ich war ja selbst nur an den Wochenenden da und habe einen Großteil der Workshops verpasst. Zum Lernen von Selbstorganisation muss ich noch eine Anekdote vom Camp 2003 in Brandenburg, meinem ersten SoCa, (oder war es 2004 in Plötzky?) einfügen: Ein Genosse aus Brandenburg (nennen wir ihn S.K. aus P.) hielt im Campplenum eine wütende Standpauke darüber, dass so wenige Leute sich an den Gemeinschaftsaufgaben beteiligten und dann die ganze viele Arbeit an wenigen hängen blieb – das entsprach auch meiner Beobachtung und ich fand es super, dazu mal so klare Worte zu finden. Rouzbeh dagegen (aus der Gründungsgeneration von [’solid], damals gerade im Parteivorstand) meinte „Selbstorganisation funktioniert nicht, indem man den Leuten so ein schlechtes Gewissen macht“. Habe ich damals überhaupt nicht verstanden und fand ich total blöd.

Dieses Jahr gab es nun eine ähnliche Ansprache im Campplenum. Neben mir sitzt der besagte Genosse aus Brandenburg und wir stimmen völlig darin überein, dass das nun der völlig falsche Weg ist, unnötig die Stimmung auf dem Camp runterzieht und so auch niemanden dazu bringt, beim nächsten mal mehr mit anzufassen. So gehen politische Lernprozesse ihren Weg – ich bin immer noch davon überzeugt, dass Mitglieder eines sozialistischen Jugendverbandes sich dazu bringen können (und erstmal bringen müssen) so ein Sommercamp in solidarischer Kooperation hinzubekommen. Und dazu muss man sicher auch Konflikte mit einer Konsummentalität austragen, die wir in dieser Gesellschaft nun mal eher erlernt haben als die Prinzipien der Autonomie und Selbstorganisation. Aber ich glaube inzwischen, es ist hilfreicher, die Probleme dabei gelassener anzusprechen, und auf eine Art, die jedem auch ermöglicht, Fehler einzusehen und anzuerkennen, statt gleich in Abwehrreflexe zu verfallen (wahlweise „ich spüle ja immer ab“ oder „sind doch alles Spießer“). [Blöderweise habe ich das auf dem Camp den Menschen, die die Ansprache gehalten haben nicht mehr sagen können sondern pöbel hier so frei in der Gegend rum – nehmt es nicht persönlich, ich glaube nur es war der falsche Weg zum guten Ziel] 

Ich bin auch gespannt auf die Auswertung der Woche – der neue Genosse, der kurz vor dem Soca eingetreten ist und so erst mal den Verband kennen lernen wollte, hat ein sehr positives Fazit gezogen. Mehr Feedback, was gut war und was besser ein könnte wäre eicher hilfreich für die Leute, die das Camp 2012 vorbereiten wollen. Die ersten haben sich da auf dem Soca schon gefunden…

Ansonsten habe ich auf dem Abschlussplenum die These aufgestellt, ein Sommercamp an einem attraktiveren Gewässer (so was von Mecklenburger Seenplatte bis Ostsee) würde die Veranstaltung doch ganz schön aufwerten – was meint ihr dazu? Würdet ihr da genauso, erst recht oder nicht mehr hinkommen? Oder wären dann alle nur noch am Strand und nicht mehr beim Programm dabei? Die Fragen sollten wir uns jetzt stellen – nach dem Camp ist vor dem Camp, und große Gruppenzeltplätze sind meistens schon mehr als ein Jahr im Voraus ausgebucht. Und kennt jemand vielleicht sogar einen tollen Platz fürs nächste Jahr?

Ach ja – Medieninteresse gab es auch ein bisschen, vor allem im Blick auf das Attentat in Norwegen: 1, 2

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2 Antworten zu Sommercampen im Jugendverband

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