Rassismus im Alltag…

Auf der Rückfahrt von meinem Urlaub in Portugal habe ich am Sonntag staatlichen Rassismus mal ganz aus der Nähe mitbekommen – unser Bus (Fernlinie) wurde kurz nach der niederländisch-deutschen Grenze von der Bundespolizei gestoppt und Papiere kontrolliert. Dass das bei „normalen“ weißen Deutschen schnell geht und bei allen anders aussehenden länger dauert, habe ich ja schon des öfteren erlebt – die Spitze davon waren Beamte an der schweizerisch-deutschen Grenze, die nicht nur in unserem Abteil ausschließlich das Gepäck des einzigen dunkelhäutigen Reisenden kontrollierten, sondern auch noch fragten, ob der weitere Rucksack, dessen Besitzer gerade auf dem Bahnsteig rauchen war, denn auch einem farbigen gehöre. Ich war noch völlig verdattert ob der Dreistigkeit der Frage, als sie nach der Verneinung durch andere im Abteil weiter zogen.

Dieses Mal blieb es nicht bei der Kontrolle – eine Frau aus Kolumbien wurde wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts festgenommen. Sie konnte keinen Aufenthaltstitel für die EU vorweisen. Ich war alleine unterwegs, und es ist mir gar nicht so leicht gefallen, in der Situation zumindest noch irgend etwas zu machen. Meine Aussage „schön, dass wir in einem freien Land leben“ hat der eine der beiden Bundespolizisten aber immerhin richtig verstanden – und meinte, ich solle mich mit so Kommentaren doch an die Politik wenden. Es sei unfair, ihm das zu sagen, weil die das ja auch entscheiden würden. Ganz unrecht hat er nicht – die Festung Europa an und für sich zu befürworten und dann nur ihre konkrete Umsetzung abzulehnen, wäre heuchlerisch. Aber das tu ich ja nicht… Und habe ihm deshalb noch gesagt, dass er diese Politik ja umsetzt, und man auch das nicht gut finden muss.

Kann man in so einer Situation mehr tun, als die Ausführenden merken zu lassen, dass es Widerstand gegen diese Politik gibt? In einer ähnlichen Lage haben Fluggäste diese Frage klar mit ja beantwortet und eine Abschiebung verhindert. Nicht wenige Abschiebungen sind auch schon daran gescheitert, dass die Piloten sich geweigert haben, unfreiwillige Passagiere zu fliegen.

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