Linksjugend [’solid] im Netz – Für digitalen Zentralismus?

Foto: Gerd Altmann/metalmarious / pixelio.de

Die Internetseite des Bundesverbandes ist ein chronisch an Arbeitskraft defizitäres Projekt – und deshalb oft nur mäßig aktuell, keineswegs alle aktuellen Informationen umfassend und so wahrscheinlich weder für Mitglieder noch für am Verband und unserer Politik Interessierte besonders attraktiv. Gleichzeitig gibt es im Verband eine Menge Leute, die eine Menge Internetseiten rund um den Verband betreiben – von den Landesverbänden über Arbeitskreise bis zu persönlich-politischen Blogs wie diesem hier.

Wäre es nicht besser, wenn wir unser know-how und unsere Zeit zumindest zum Teil zusammenwerfen, um eine zentrale, attraktive und aktuelle Internetseite zu entwicklen, vielleicht sogar ein Portal mit Debatten und Informationen, die über unseren Verband hinausstrahlen? Wen könnten wir dabei erreichen, was bräuchte es und auf welchen Stand, welche Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge können wir dabei zugreifen?
Ich versuche, im folgenden einige Gedanken zusammenzufassen und würde mich über Reaktionen, Kritik und Vorschläge freuen – auch wenn ihr meint, das ist alles völlig überschätzt und wir sollten lieber ein paar gute Aufkleber drucken 😉

Um mal mit dem Balken im eigenen Auge anzufangen: Die Homepage des Bundesverbandes ist wie gesagt eher inaktuell. Das Design ist gut gemacht und attraktiv, die Struktur dagegen schon nur mäßig übersichtlich und vieles fehlt schlichtweg: Ein Großteil unserer Materialien ist weder als Texte noch als Bild/.pdf online, der Kalender enthält seit ein paar Wochen die wichtigsten Termine auf Bundesebene, läuft aber hin und wieder auch leer. Die interaktiven Elemente des „internen Bereichs“ sind nicht ohne Grund seit Ewigkeiten eingeschlafen – in Zeiten von Blogs, wikis und sozialen Netzwerken loggt sich niemand mehr in ein Forum ein, um unter Verbandsmitgliedern zu diskutieren (das war damals Anfang des Jahrtausends wirklich noch anders, da haben zentrale politische Debatten des Bundesverbandes im Forum stattgefunden). Während die Homepage um viele Elemente ergänzt gehört, sollte dieser Part eher mal „wegrationalisiert“ werden. Die technischen Möglichkeiten der Typo3-Plattform sind sehr beschränkt – auch jenseits der für einen wordpress-verwöhnten wie mich nicht gerade einfachen Bedienung.

Wir haben uns seit Jahren immer wieder den Luxus spezieller Kampagnenhomepages geleistet. Einige dieser Domains wie smash-g8.de sind inzwischen verschwunden beziehungsweise bei irgendwelchen Domainsammlern gelandet. Auf der Aufmucken-Homepage erwarten die Interessentin so glorreich inaktuelle Informationen, dass man es nicht einmal mehr merkt :“Im September startet die Aufmucken-gegen-Rechts-Kampagne von Linksjugend [’solid].“ Gemeint ist der September 2009. Eine ziemlich schicke und jetzt gerade aktuelle Seite gibt es zur „Bundeswehr raus aus den Schulen“-Kampagne. Aber wie sieht die in einem Jahr aus?

Deutlich aktueller als die Homepage ist die facebook-Seite des Verbandes – was ja irgendwie dafür spricht, dass es genügend Inhalte für eine coole aktuelle Seite gäbe. Was müsste die können und wie aussehen? Der erste Schritt wäre, aktuell über Aktivitäten und halbwegs umfassend über Positionen des Verbandes zu berichten. Das es da genug zu sagen gäbe, zeigen neben facebook die zum Teil wesentlich aktuelleren Seiten der Landesverbände (BaWü z.B. hat das Video zur Anti-Bundeswehr-Aktion auf der Startseite – während diese Berliner Auftaktaktion zu einer bundesweiten Kampagne auf der Bundesseite bisher nicht erwähnt wird. Aber hey, auf der Berliner Seite auch nicht ;-)). Gleichzeitig zeigt Niedersachsen, wie man seine Seite einfach aktuell halten und und doppelte Arbeit vermeiden kann: Abschreiben gilt – wir sind ja weder in der Schule noch bei der Doktorarbeit.

Wenn wir es also schaffen würden, dass zumindest die Inhalte aller Landes-, Arbeitskreis-, und Bundesseiten einfach zugänglich in einem zentralen pool gesammelt wären, aus dem sich alle bedienen könnten, wäre es schon mal leichter, alle Seiten aktuell zu halten. Denn während ein Landesverband sich vielleicht noch mal regelmäßig auf der Bundesseite umschauen kann, wäre es für die Admins der Bundesseite oder von AKs die Hölle, ständig alle 16 LV-Seiten anzuschauen und nach Material zu durchsuchen. Weiß jemand, wie man das technisch umsetzen könnte?
Der erste Schritt zum digitalen Zentralismus meiner Vorstellung würde also niemanden seine Internet-Eigenständigkeit kosten und wäre schon ein großer Fortschritt. Wenn der noch einen Schritt weiter gehen sollte als zur Sammlung der schon online stehenden Artikel, bräuchte es eine begrenzte aktive Mitarbeit von Admins etwa der Landesseiten oder anderer Verbandsmitglieder, um zum Beispiel unser Materiallager auf der Homepage erstens downloadbar und zweitens übersichtlich zugänglich zu machen.

Update: Aus den Kommentaren hier und bei fb gibt es schon zwei konkrete Vorschläge: Der erste wäre, dass man diese Bündelung der Inhalte aus den RSS-feeds der Seiten (soweit es die gibt) herstellen kann – der zweite und weitergehende sowie aufwändigere, einen eigenen Server mit wordpress-Bloghosting zu betreiben und mit einem entsprechenden Theme Verbandsstrukturen und Gruppen sowie Einzelmitgliedern zur Verfügung zu stellen. Ich glaub das erste sollten wir auf jeden Fall machen, das zweite finde ich nen guten Vorschlag, für dessen Umsetzung es aber noch mehr Debatte und Interessensbekundung bräuchte…

Ein zentrales Framework, um Termine selektiv in eigene Kalender einzubinden, gibt es glaube ich im Prinzip schon – ich wüsste nur nicht, ob das gerade jemand nutzt. Ein weiterer großer Schritt nach vorne wäre es, einen Ort für Debatten uns persönliche Berichte von Ereignissen aus und um den Verband und vielleicht der Linken darüber hinaus zu schaffen. Der Landesverband Sachsen hat schon eine Blogseite, auf der außer Berichten einer Tour aber vor allem redaktionelle Artikel und kaum Blogeinträge zu finden sind. Vielleicht ein blog um und über den Verband, geschrieben von Verbandsaktiven, Abgeordneten und anderen? Oder ein Gemeinschaftsprojekt mit AkteurInnen außerparlametarischer Bewegungen, um mit und über ein breiteres Spektrum zu diskutieren? Man wird wohl träumen dürfen – aber zumindest eine bessere, attraktive und aktuelle Seite des Bundesverbandes würde ich gerne noch vor dem nächsten Buko sehen. Nicht, weil die Piraten in Berlin so viele Stimmen hatten, sondern weil ich glaube, dass es sich lohnen würde.

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7 Antworten zu Linksjugend [’solid] im Netz – Für digitalen Zentralismus?

  1. Til schreibt:

    Alle RSS Feeds sammeln und in nem Reader / Blog zusammenlaufen lassen. Dann haste deinen Überblick über die BAK, LV usw. Seiten – jedenfalls von denen, die einen RSS-Feed anbieten.

    • fepix schreibt:

      Das klingt ja machbar – danke! Hat jemand spontan Bock so was einzurichten? Sonst würde ich das wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen irgendwann und irgendwie hinbekommen…

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