Mietenwahnsinn in Hamburg und Kapitalismus überall…

Am Samstag ist in Hamburg eine Demo aus dem Recht auf Stadt-Netzwerk unter dem Titel „Mietenwahnsinn stoppen! Wohnraum vergesellschaften“. Vor einem Jahr zogen tausende Menschen unter der Losung „Leerstand zu Wohnraum“ zum Astraturm, einem leerstehenden Bürohochhaus in bester Lage Hamburgs. Interessanterweise hatte die Polizei den Slogan der Demo wohl nicht ernst genommen, so dass die erste Besetzung am Rande der Demo problemlos verlief, die zweite wohl nur verhindert wurde, weil der Moderator auf dem Lautsprecherwagen sich verplappert hatte und sie schon beim ersten Haus angesagt hatte und der Astraturm selbst (der auch auf den Demoplakaten abgebildet war) nur knapp durch einen Polizeitrupp gesichert werden konnte.
Dieses mal sind potentielle Aktionsorte zumindest für den unbedarften Beobachter wie mich nicht so offensichtlich, aber eine gute Demo wird es mit Sicherheit trotzdem. Neben der Größe der Demos finde ich es in Hamburg beeindrucken, welche Breite an Menschen in diesen Protesten zusammenkommt – eben nicht nur die alternativen Studis, die in der zweiten Gentrifizierungswelle aus den Vierteln vetrieben werden, aus denen wir vorher die MigrantInnen und SozialhilfeempfängerInnen verdrängt haben, sondern auch BewohnerInnen von Häusern der städtischen Wohnungsbaugesellschaft und alle möglichen Leute, die sich Wohnen in Hamburg kaum noch oder bald nicht mehr leisten können – oder die zumindest selbst bestimmen wollen, was mit ihrer Straße und ihrem Viertel passiert.
In den letzten Monaten gab es in Hamburg noch etwas Wirbel um einen 18.000 Euro billigen Zaun, der Obdachlose am Übernachten unter einer Brücke hindern sollte und nach einigen Wochen Protest wieder abgebaut wurde. Auch in meinem Stadtviertel gab es eine Kundgebung gegen den massiven Leerstand (gegenüber von unserem Häuserblock steht ein Ladenlokal seit Jahren leer, auf der anderen Seite der Straße stehen auf hundert Metern mehrere Bürohäuser ganz oder teilweise leer) – und immerhin wird ein weiteres leerstehendes Bürohaus im Eigentum der Stadt jetzt wenigstens für den Winter als Notunterkunft für Obdachlose genutzt. Danach soll es abgerissen werden – damit neue Büroflächen entstehen könnnen…
Aber zurück zu Samstag: Nachdem bei der Occupy-Demo vor anderthalb Wochen ein paar tausend Menschen in Hamburg demonstriert haben, bin ich mal gespannt, ob der Schwung an Dissens sich auch auf thematisch spezifischere und länger geplante Proteste ausweitet. Das würde dann ja auch für den Castor hoffen lassen 🙂

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