Wenn die Polizei auf Demos nervt… (hier: Mietenwahnsinnsdemo HH)


Ungebetene Gäste waren heute bei der Mietenwahnsinnsdemo wieder mal Polizeieinheiten, die neben Teilen der Demo Spalier liefen, zwischendurch versuchten, die Demo zu teilen und in engen Straßen beim Spalier laufen natülich auch immer mal wieder Gelegenheit fanden, Rangeleien zu beginnen, deren Ausgang bei einer Seite in Kampfmontur und mit Knüppeln und Pfefferspray nur allzu vorhersehbar ist. Ebenso vorhersehbar ist ein solcher Polizeieinsatz an sich – und seine selbstbestätigende Logik, denn die Rangeleien zeigen ja, wie gewaltbereit die Demo doch war. Das eine ist, diese Logik zu erkennen und zu benennen und kritisieren, wo die oft beschworene Gewalt auf Demonstrationen dann oft herkommt. Das andere ist aber aus meiner Sicht, wie man politisch und strategisch damit umgeht – und da sind wir vielleicht nicht immer so gut wie beim Anprangern der polizeilichen Provokationen.
Die sind nämlich nicht die ganze Geschichte: Linke DemoteilnehmerInnen sind keine willenslosen, passiven Objekte polizeilicher Willkür. Wir handeln, wir agieren und reagieren und haben selbst in einem geschlossenen Wanderkessel (den es heute zum Glück so nicht gab) noch einen Einfluss darauf, wie wir uns und unsere Positionen als Demo nach aussen darstellen. Beziehungsweise, ob wir das tun – denn sicher ist es richtig, seinen Unmut über polizeiliche Repressionsmaßnahmen und Angriffe auch kunzutun, aber wenn wir nach den ersten Rangeleien nur noch „BRD, Bullenstaat, wir haben dich zum kotzen satt“ brüllen, dann haben wir uns effektiv daran hindern lassen, eine Demonstration zum Thema Mietenwahnsinn durchzuführen. Vor Gericht kömpfen wir gegen den Versuch, uns juristisch daran zu hindern – und dann sollten wir unser erkömpftes Recht auch wahrnehmen. Denn nein, vielen BeobachterInnen erschließt sich nicht automatisch, warum der Kampf gegen den bürgerlich-kapitalistischen Staat und dessen Polizei logische Folge des Kampfes gegen Mietsteigerungen ist.
Genauso haben wir einen Einfluss darauf, wie leicht die Polizei unsere Demo stoppen kann – ob man nämlich jede Einladung zum Scharmützel am Seitentranspi annimmt, noch ein paar kurze Fahnenstöcke reinwirft und den Rest der Demo erst mal zum solidarisierenden Stehenbleiben auffordert oder versucht, gemeinsam weiterzugehen und die Demo so zusammenzuhalten, ist auch unsere Entscheidung (Was nicht dafür sprechen soll, Leute in Problemen allein zu lassen. Aber zusammenbleiben heißt nicht nur vorne warten sondern auch gemeinsam sein Ziel erreichen wollen).
Die Demo heute war übrigens trotz allem ein Erfolg. Aber mehr Strategie im Umgang mit den bewaffneten Kampftruppen rechts und links von uns würde unsere politische Wirkung doch manchmal beträchtlich erhöhen.

Hier gibts übrigens Links zu Presseberichten von der Demo – die Polizei spricht wohl von 4.400 TeilnehmerInnen.

(Bild: wikimedia commons, von der ASEAM Demo in HH 2007)

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Eine Antwort zu Wenn die Polizei auf Demos nervt… (hier: Mietenwahnsinnsdemo HH)

  1. bienenhueterin schreibt:

    Ich hoffe ja, dass „Linke DemoteilnehmerInnen“ auch ohne „polizeiliche[r] Willkür“ “ keine willenslosen, passiven Objekte “ sind! 😉

    Ich finde die Ueberlegungen hinsichtlich dessen, durch was wir uns von unseren eigentlichen Zielen abbringen lassen, ziemlich gelungen und denke, dass uns ueberlegtes Handeln definitiv handlungsfaehiger [und im Zweifel auch weniger berechenbar -und somit tendenziell erfolgreicher] macht, als impulsiven [berechenbaren] Reflexen nachzugeben, die nur ausgeloest werden muessen um ein ganz bestimmtes Programm zu starten, dass auszufuehren eigentlich nicht unser (primaeres) Anliegen war, uns und unsere Handlungen aber wie gesagt, berechenbar macht.
    „Drei Sekunden Zeit zum Nachdenken, sind gut investierte Zeit!“ F.P.

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