Castor 2011: Proteste, Schottern, Blockaden in Kälte und Polizeigewalt

Von Mittwochabend bis Sonntagabend war ich im Wendland unterwegs – mein erster Castor, bei dem ich nach Hause gefahren bin, bevor der Transport im Zwischenlager war. Ich war erkältet, erschöpft, ohne Bezugsgruppe und ohne Auto unterwegs – und ich hatte für Montag keinen Urlaub mehr, weil Mittwoch bis Freitag meine letzten freien Tage waren. Rein technisch waren die Proteste auf jeden Fall ein Erfolg: Wir waren weniger als im letzten Jahr (23.000 vs. 50.000 bei der Großdemo, vielleicht 1200 vs mindestens 3000 beim Schottern und einige hundert gegenüber 1500 bei der Südblockade), und doch hat der Transport noch einmal länger gebraucht als 2010.

Das hatte sicher mit dem gewachsenen Widerstand in Frankreich zu tun, wo schon vor der Abfahrt des Zuges geschottert wurde (siehe Foto), Menschen die Gleise blockieren wollten und ein Trafohäuschen abbrante und einen Stromausfall verursachte. Ebenso mit dem großartigen Einsatz der Freundinnen und Freunde der Bäuerlichen Notgemeinschaft, vor deren Pyramidenkonstruktion die Polizei schließlich kapitulieren musste. Aber eben auch damit, dass einige Massenprotestformen übers letzte Jahr noch ausgefeilter wurden – so die Kampagne Castor schottern, die angekündigt hatte „in Raum in Zeit flexibler“ agieren zu wollen und diesmal mit weniger Polizeikonfrontation öfter an die Gleise kam als im Vorjahr.

Entscheidend ist aber das politische Signal, das von diesem Wochenende ausgeht: Die Anti-Atom-Bewegung (von der Schottererin über den Sitzblockierer bis zur Demonstrantin in Dannenberg) hat sich nicht mit dem Abschalten der acht alten Reaktoren zufrieden gegeben und duldet kein Festhalten am Endlager Gorleben. Das Zeichen war für mich das wichtigste am diesjährigen Castor – und ich glaube, wir haben es recht deutlich gesetzt.

Wie geht es jetzt weiter mit der Anti-Atom-Bewegung?

Der große Bewegungszyklus der letzten drei Jahre ist spätestens mit diesem Castor sicherlich abgeschlossen. Es folgen die „Mühen der Ebene“, etwa in der Verstetigung der Öffentlichkeitsarbeit zu den ständig stattfindenen Atomtransporten mit neuen Brennstäben, Uran und Uranhexafluorid über deutsche Häfen und Straßen, aber auch der weitere Widerstand gegen den Endlagerstandort Gorleben. Gleichzeitig hoffe ich, dass es uns gelingt, die Proteste gegen die andere große unverantwortliche Energiequelle der deutschen Stromkonzerne zu versträrken: Die Kohleverstromung. Vattenfall hat in Hamburg immer noch Mühe mit seinem Kohlekraftwerk und der angeschlossenen Fernwärmetrasse (deren Bau im letzten Jahr durch Baumbesetzungen und aktuell das Volksbegehren zur Rekommunalisierung der Netze gestoppt wurde) und in Brandenburg gibt es nach der vorläufigen Beerdigung der CCS-Option ebenfalls Reibereien um die weitere Braunkohleverbrennung. Es gäbe also genug zu tun für Proteste gegen Klimakiller…

Für uns als Linksjugend [’solid] ist die Bilanz der Woche im Wendlannd aus meiner Sicht gemischt: Weniger als im vergangenen Jahr ist es uns gelungen, im Vorfeld politisch zum Thema zu arbeiten – das gab die gesellschaftliche Lage vielleicht auch nicht so richtig her. Vor Ort waren wir besser vorbereitet, organisiert und eingebunden als im letzten Jahr, viele sind rechteitig angereist, um Aktionen noch mit vorzubereiten. Aber dann ist es glaube ich nicht so wirklich gelungen, alle anwesenden GenossInnen auch einzubinden, nicht wenige waren dann doch woanders unterwegs und haben sich höchstens mal zufällig getroffen. Das finde ich schade – denn ein Sinn davon, sich gemeinsam zu organisieren ist für mich, dann davon profitieren zu können, dass Teile meiner Struktur in Vorbereitungen eingebunden sind, wir als Verband Dinge gemeinsam organisieren können usw.

Worauf ich für den Jugendverband am meisten stolz bin, ist leider mal wieder nicht Internetfähig – aber dafür umso großartiger 🙂

P.S.: Meine Castorträume wurden dann nicht ganz wahr – weder die tollen noch die Alptröume..

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Eine Antwort zu Castor 2011: Proteste, Schottern, Blockaden in Kälte und Polizeigewalt

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