LVV der Linksjugend [’solid] Baden-Württemberg

Kandidatinnenbefragung für die Buko-Delegation des LV Bawü: „Was war für dich ausschlaggebend, von der Grünen Jugend zu [’solid] überzutreten?“ „Kretschmann“
Also mindestens eine gute Tat des ersten grünen Ministerpräsidenten 😉 Und: nach harten Debatten am Vorabend, ob oder wann die Quote nicht aufgehoben werden müsse, haben vierzehn Genossinnen für zehn Listenplätze kandidiert 🙂

Knapp 35 GenossInnen haben an diesem Wochenende an der Landesvollversammlung von Baden-Württemberg in Mannheim teilgenommen – im letzten Jahr waren es auch schon mal fast doppelt so viele, einige Leute waren es den unterschiedlichsten Gründen verhindert und die turnusgemäß im Norden des Bundeslandes stattfindenden Mitgliederversammelungen sind wohl meistens die schlechter besuchten.

Nach den Berichten aus den Basisgruppen, die ich am Samstag leider zum Großteil verpasst habe, gab es Debatten über die digitalen Kommunikationsstrukturen auf Landesebene (anscheinend ein Dauerbrenner in BaWü), über Positionierungen zu Hochschulpolitik und einige geplante Projekte und Kampagnen. Dazu gehören ein Bildungsprojekt zur Debatte um den Begriff des Kommunismus, die Vernetzung lokaler Aktivitäten zur Asylpolitik und inhaltliche Arbeit zu Tierschutz sowie die Unterstützung bzw. Teilnahme an einer regionalen Aktionskonferenz gegen die Bundeswehrproteste an Schulen.

Ich habe kurz aus dem Bundesverband berichtet, was gerade passiert und welche Entscheidungen anstehen – die Idee, sich im kommenden Jahr mit dem 20. Jahrestag der Pogrome in Rostock-Lichtenhagen auseinanderzusetzen, fiel auf einiges Interesse, wobei den gerade zu Asylpolitik tätigen Genossen wichtig war, das mit aktuellen Problemen wie z.B. der Residenzpflicht zu verknüpfen. In der Frage der Gestaltung des Bundeskongresses brach schnell eine Detaildebatte um Antrags- und Abstimmungsprozeduren los, an der sich aber nur wenige beteiligten. Als Hinweis darauf, was Leute vom Buko eigentlich wollen, würde ich mal die Vorstellungen der Kandidatinnen für die Delegiertenplätze heute heranziehen (die Vorstellung der Männer habe ich nicht mehr mitbekommen): Einige wollten sich zu ihren jeweiligen Themenschwerpunkten inhaltlich einbringen, einemal ging es darum, die Positionen des Landesverbandes stark zu machen, aber fast alle haben gesagt, dass ihnen wichtig ist, Leute aus den anderen LVs kennen zu lernen, sich zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Meine Vermutung wäre, dass das relativ typisch für die Ansprüche der Buko-Delegierten ist, und das sollten wir bei der Planung berücksichtigen.

Lange und kontroverse Debatten habe ich gestern abend noch über die Quotierung bei unseren Wahlen geführt. Mehrere Genossinnen haben von Situationen berichtet, in denen Frauen zu Kandidaturen gedrängt wurden, auf die sie keinen Bock hatten – damit die Liste voll wurde. Das ist natürlich ein bescheuerter Umgang mit dem Instrument – sicherlich ist es eine Funktion der Quote, auch Genossinnen zu Kandidaturen zu motivieren, die ohne Quote vielleicht nicht auf die Idee kommen würden, aber damit hat es sich dann auch. Kandidaturen wider Willen bringen niemandem was. Da muss man halt Plätze vakant lassen. Schwieriger finde dich die Antwort auf das Problem, dass Genossinnen sich abqualifiziert fühlen, wenn sie auf einer Liste kandidieren, auf der es vielleicht mehr Plätze als Kandidaturen gibt. „Ich will gewählt werden, weil Leute mir die Aufgabe zutrauen, nicht, weil ich eine Frau bin.“

Vielleicht wäre das entscheidende Argument, dass manche Frauen ohne Quote nicht gewählt würden – weil wir ihnen die Aufgaben weniger zutrauen als Männern. Nicht aufgrund der konkreten Personen, sondern weil in einer patriarchalen Gesellschaft und in einem Verband mit männlich dominanter Redekultur halt diejenigen Leute durchsetzungsfähiger, souveräner und ‚kompetenter‘ erscheinen, die solchen (männlichen) Rollenmustern entsprechen. Das tun nicht alle Männer in jeder Situation, aber im Durchschnitt kommen wir diesen (wie ich finde nicht erstrebendwerten) Verhaltensmustern näher als Frauen.

Das klar zu machen ist mir gestern eher nicht gelungen und jedenfalls habe ich die Genossinnen nicht überzeugt.

Heute standen noch Wahlen an – eine Genossin wurde in den LSPR nachgewählt und dann ging es an die Buko-Delegierten. Ich hoffe, der Tag ist noch erfolgreich zu Ende gegangen und die GenossInnen fahren zufrieden nach Hause.

Ich fand es jedenfalls ein spannendes Wochenende – obwohl ich gestern nach viereinhalb Stunden Schlaf um viertel vor sechs aufstehen und in den Süden fahren musste hat es sich (nicht nur für den blauen Himmel) gelohnt. Linksjugend [’solid] ist einfach eine tolle Organisation.

Foto: Stefanie Eichler/Wikimedia Commons [fast so schön wie der Tagungsort: Das Mannheimer Schloss]

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu LVV der Linksjugend [’solid] Baden-Württemberg

  1. Ausser meiner Aussage bezüglich Kretschmann, ist also nichts in den Köpfen haften geblieben ^^ 😀

  2. fepix schreibt:

    Nur nichts, was einen besseren Einstieg in diesen Post ergeben haette 😉

  3. Beruhigt mich jetzt ein wenig. Nicht. 😀 Nein im Ernst, guter Artikel ^^ (wenn man das denn so nennen will 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s