LMV Mecklenburg-Vorpommern: Wachstumskritik und Blockadetraining

Nachdem gestern vor allem Wahlen wie zum LandessprecherInnenrat (LSR) auf der Tagesordnung standen, haben heute noch knapp 20 Mitglieder an den Workshops der Landesmitgliederversammlung der Linksjugend [’solid] in Mecklenburg-Vorpommern teilgenommen.

Ich bin für ein Aktionstraining dazu gekommen, durfte also nach einer zu unruhigen Nacht (verfluchte Kneipe im Innenhof) um sechs aufstehen aufstehen und mich auf den Weg nach Osten machen. Immerhin die Bahn hatte Mitleid mit mir und mein Anschlusszug war genauso verspätet wie der erste, so dass ich noch halbwegs pünktlich in Güstrow ankam. Wie das bei einem linken Jugendverband so ist, war es dann doch halb elf, als alle im Sitzungsraum fertig zum anfangen waren.

Weil es um zwölf Mittagessen geben sollte, zog die Versammlung dann den Workshop zu Wachstumskritik vor das zuerst geplante Aktionstraining vor. So konnte ich noch einen spannenden Input und gute Diskussionen mitbekommen – es ging vor allem darum, welche Probleme unendliches Wirtschaftswachstum aufwirft und was gegen Wachstumskritik eingewendet wird und einzuwenden ist. Interessant fand ich die Debatten um das Verhältnis von materiellem Konsum und Lebensstandard sowie dem Verhältnis zwischen Industrieländern und globalem Süden. Außerdem ist mir noch mal deutlich geworden, wie wichtig und hilfreich ich die Grundkategorien der marxistischen Kritik der politischen Ökonomie finde, um zu erfassen und zu beschreiben, warum der Kapitalismus ohne Wachstum nicht funktionieren kann.

Eine Reihe interessanter Texte und Diskussionsbeiträge vor allem rund um das „Postwachstums“-Label findet sich übrigens auf dem Blog von Matthias Schmelzer und Alexis Passadakis von attac, ein sehr guter marxistischer Text von John Bellamy Foster zur Wachstumskritik ist „Degrow or die“ (schrumpf oder stirb, hier die deutsche Übersetzung).

Am Rande der LMV wurde mir noch versprochen, dass es bald Terminvorschläge fürs erste Treffen der Projektgruppe zum 20. Jahrestag der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen geben soll, die der Bundeskongress beschlossen hat. Dann kann es also auch da bald losgehen…

Nach dem Mittagessen ging es dann zum Aktionstraining, das wir angesichts des guten Wetters und eher engen Sitzungsraums komplett auf die Wiese verlagerten. Die Erfahrungsstände der TeilnehmerInnen waren extrem gemischt – mindestens eine Genossin war schon 2007 bei Block G8 dabei, andere hatten noch nie an Blockaden teilgenommen. Ich hoffe, es ist trotzdem für alle was gutes rumgekommen ;-).

Wir haben ein bisschen Entscheidungsfindung in Bezugsgruppen geübt, Verhalten während einer Räumung durchgespielt und uns länger mit der Organisation und Moderation von Delegiertenplena in Aktionen beschäftigt. Zu kurz gekommen sind dann leider einige Fragen zu Ausrüstung/Vorbereitung sowie dem Verhalten bei Ingewahrsamnahmen – die basics dazu kann man aber auch bei der Roten Hilfe nachlesen.

Weil mein Rote-Hilfe-Werbeblock dann mit dem Rechtshilfe-Input zusammen weggefallen ist, an dieser Stelle der Aufruf an alle LeserInnen: Werdet Mitglied bei der Roten Hilfe! Die Rote Hilfe ist eine strömungsübergreifende linke Solidaritätsorganisation, die Leute unterstützt, die wegen ihrer politischen Arbeit z.B. Stress mit Polizei und Gerichten haben. Insbesondere unterstützt sie Betroffene mit der Übernahme der Kosten von Gerichtsverfahren, Bußgeldern etc. Mit eurem monatlichen Beitrag sorgt ihr also dafür, dass Menschen nicht auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie z.B. wegen der Blockade von Naziaufmärschen Bußgelder bezahlen sollen und sich vor Gericht dagegen wehren.

Zurück zum Thema: Für mich hat sich der Ausflug nach Güstrow gelohnt – nicht nur für die paar Stunden in der Sonne. Ich hoffe, für den Landesverband auch – viel Erfolg beim Blockieren des Naziaufmarsches am 1. Mai!

Foto: Schloss Güstrow (Schiwago, Wikimedia Commons) – ganz so nobel tagt die Linksjugend [’solid] nicht, aber die Jugendherberge ist auch schön.

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