Berichte vom ersten Mai

Ich war am ersten Mai beim Euromayday in Hamburg – das war eine ganz gute Demo, vielleicht etwas kleiner als letztes Jahr, aber dafür hat das Verhältnis von Musik zu Inhalt mir besser gepasst :-). Der gerade neugewählte Sprecher des Hamburger Landesverbandes der Linkspartei hat mir noch ein Flugblatt zur öffentlichen Fraktionssitzung der Linken vor dem am 2.6. geplanten Naziaufmarsch in die Hand gedrückt, und ca. 45 Minuten nach dem angekündigten Auftakt setzte sich die Demo in Bewegung. Unterwegs gab es außer guter, aber doch recht lauter Musik von mehreren Lautsprecherwagen einige Redebeiträge rund um das Motto „Platz nehmen“ – allerdings hatte ich doch gehofft, dass mit Platz nehmen dann am Ende mehr gemeint gewesen wäre als das Hinsetzen auf dem Spielbudenplatz in St. Pauli während der Abschlusskundgebung. So löste sich das ganze dann am frühen Abend auf und ich konnte mir noch den Auftakt der revolutionären ersten Mai-Demo bei den Landungsbrücken anhören – der mich aber nicht davon überzeugen konnte, mich einzureihen.

Von den Aktivitäten verschiedenster Basisgruppen der Linksjugend [’solid] zum ersten Mai finden sich tatsächlich auch Spuren im Internet: Die GenossInnen aus Bamberg berichten von der Teilnahme an der lokalen DGB-Demo und teilen nebenbei gegen Gewerkschaften und Linksradikale gleichermaßen aus. Ausgeteilt haben sie auf der DGB-Demo auch ein Flugblatt gegen Arbeitsfetischismus und Standortnationalismus, in dem sie mit (durchaus berechtigter) Kritik an der DGB-Gewerkschaftspraxis nicht sparen. Ein bisschen kurz kommt m.E. aber die Perspektive gemeinsamen Widerstands solidarischer Kämpfe gegen die Standortkonkurrenz.

Eher frustrierend endete der Versuch, einen Naziaufmarch in Hof zu stoppen (aus dem Bamberger Bericht):

Der Erste Mai in Hof dieses Jahr war wohl einer der peinlichsten und demotivierensten Tage in der Geschichte der Naziblockaden. „Kommt alle zum friedlichen Widerstand“, wie es in dem Aufruf des Hof ist Bunt Bündnisses heißt wurde wohl so verstanden, dass die NeofaschistInnen ihre menschenverachtenden Vorstellungen ungestört propagieren dürfen. Nachdem einige AntifaschistInnen schon nach wenigen Stunden in die Gefangenensammelstelle gebracht wurden, trafen weitere Aktive aus unserer Basisgruppe ein um sich an der Blockade der Naziroute zu beteiligen. An einem der Blockadepunkte angekommen war schnell klar, dass die Vorraussetzungen für erfolgreiche Blockaden nicht ausreichen. Die Nazis zogen unbehelligt durch die Straßen und waren mit Lautsprecherwagen und Parolen lauter als die mitlaufenden NazigegnerInnen, die durch laute Rufe und Parolen den Nazis zu zeigen versuchten, dass diese Weltanschauung und ihre AnhängerInnen unerwünscht sind.

Die Nürnberger Basisgruppe beteiligte sich mit einem eigenen Redebeitrag an der revolutionären ersten Mai-Demo:

Es ist hohe Zeit, dass die Antikapitalist_Innen ihre Anschauungsweise, ihre Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst der Eurokrise eine Kritik am der kapitalistischen Lohnarbeit an sich entgegenstellen.

Mit so schamlosen Plagiaten sollte man sich ja in wissenschaftlichen Arbeiten bekanntermaßen nicht erwischen lassen ;-).

Weniger theoretisch fiel der Redebeitrag der Linksjugend [’solid] zum revolutionären ersten Mai in Stuttgart aus:

Insbesondere bedarfsgerechter Wohnraum ist knapp. Durchschnittlich 450 Wohnungen fallen pro Jahr aus der sozialen Belegungs- und Preisbindung und werden in teure Mietwohnungen umgewandelt – für arme Haushalte ist das eine tickende Zeitbombe. Und was hört man von den Grünen und der SPD ??? nichts den diese Parteien haben sich schon 1998 von Sozialpolitik verabschiedet !!!
[…]

Lasst uns Gemeinsam, solidarisch und entschlossen: Den Klassenkampf organisieren !!!!!

Erfolgreicher als in Hof waren die GenossInnen aus Rostock in Neubrandenburg bei Aktionen gegen einen Naziaufmarsch:

Einen Teilerfolg zum heutigen Tag der Arbeit erzielten die von Rostocker, Greifswalder und Neubrandenburger Antifaschisten durchgeführten Blockaden gegen die Nazi-Demonstration in Neubrandenburg. Bereits in den frühen Morgenstunden gelang es den Rostocker Nazigegnern einen strategisch wichtigen Punkt in der Ihlenfelder Vorstadt zu besetzen. […] Die rund 150 Blockierer wurden dabei von einigen Anwohnern mit Getränken unterstützt. Nicht wenige Neubrandenburger reihten sich in die Blockade ein, obwohl sie genau wussten, dass die anwesenden Polizeikräfte sie so schnell nicht wieder gehen lassen werden.

Die Linksjugend [’solid] im Erzgebirge machte einen Infostand (wahrscheinlich bei der DGB-Kundgebung), auf den Homepages von Hannover und Magdeburg sowie Leipzig und Schleswig-Holstein finden sich noch die Aufrufe bzw. Ankündigungen zum ersten Mai. Zeitlos hält es die Basisgruppe Karlsruhe mit einem Text zur Geschichte des ersten Mai (dokumentiert aber auch den von ihr unterstützen Aufruf zur revolutionären 1.Mai-Demo).

Update: Aus Berlin wird berichtet, dass ein Genosse „beim Kreuzberger MyFest der Linken in der Kinderbetreuung Buttons gemacht“ hat. Auch diesen Einsatz will ich hier würdigen. Möglicherweise haben in Berlin noch weitere, hier bisher nicht dokumentierte Aktivitäten aus dem Jugendverband zum 1. Mai stattgefunden. 😉

Ich finde es ganz beeindruckend, wie viele Sachen an vielen Orten im Jugendverband zum ersten Mai passiert sind – und das ist nur der Ausschnitt, von dem ich Berichte im Netz gefunden habe. Ich freue mich über Kommentare und Ergänzungen!

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