Blockupy Frankfurt – drei Tage Polizeistaat und ein großer Erfolg

Mit über 20.000 Menschen (selbst nach Polizeiangaben, dann werden es in Wirklichkeit noch mehr gewesen sein) hätte ich heute bei der Abschlussdemonstration der Blockupy-Aktionstage echt nicht gerechnet – ein toller Erfolg für die Proteste gegen die Spardiktate der Troika und ein wichtiges Signal der Solidarität vor allem an die Menschen in Griechenland, die jetzt unter massivem internationalen Druck vor Neuwahlen stehen. Nicht zuletzt hat sich mal wieder gezeigt, dass massive Repression gegen soziale Bewegungen doch oft nach hinten los geht: Die Polizei hat sich mit ihrer Repression und ihren Horrorszenarien so lächerlich gemacht, dass der Spott darüber auch die meisten bürgerlichen Medien durchdringt.

Ich bin heute morgen noch kurz mit meiner Bezugsgruppe an der Europäischen Zentralbank vorbeigegangen – für ein kleines Gruppenbild mit Fahne vor dem geräumten und abgesperrten Occupy-Camp. Danach waren wir beim Linksjugend [’solid] Block auf der Demo – mit richtig guter Stimmung, toller Musik, guten Sprechchören und ein paar Redebeiträgen, u.a. von einer Genossin aus Dänemark und von Sahra Wagenknecht. Mein persönliches Highlight war das Verteilen des Krisenplakats auf der Demo – so leicht bin ich glaube ich noch nie politisches Material losgeworden. Und bei jeder Ansage über den Lauti, dass noch Plakate übrig waren, kam noch ein Strom Leute zusammen, die welche haben wollten. So macht Politik Spaß :-).

Sehr souverän fand ich auch den Umgang unserer Moderation mit dem Polizeispalier des antikapitalistischen Blocks, das sich zum Teil auch bis zu uns erstreckte. Die Uniformierten mochten dem Rat, sich doch endlich mal ein Eis zu holen und uns unsere Grundrechte wahrnehmen zu lassen, nicht folgen – aber die Aufforderung war deutlich. Großartig auch, dass die Polizei trotz aller Provokationen es nicht geschafft hat, die autonomeren Teile des Blocks (oder sonst irgendwen) zum Mitspielen in der Eskalationslogik zu bewegen. Bei der Abschlusskundgebung haben wir noch kurz etwas vom Auftritt von Irié Révoltés gehört, dann mussten wir unser Gepäck aus der Unterkunft abholen.

Die war spannenderweise ein Gemeindesaal, den wir mit einigen GenossInnen vor allem von attac geteilt haben – bei aller Berechtigung auch grundsätzlicher Religionskritik freut es mich immer sehr, wenn Teile der Kirche(n) sich gegen die Herrschenden stellen.

Mein Protestwochenende hatte deutlich weniger motivierend begonnen – die beiden aus Hamburg anreisenden Busse wurden in der Gegend von Hanau von der Polizei gestoppt, uns wurde sofort der Einsatz von Waffengewalt angedroht, bevor wir einzeln aus den Bussen geholt, durchsucht und abfotografiert wurden. Dann verteilte die Polizei an alle Mitreisenden Platzverweise – zuerst für eine kleine Zone rund um die EZB, dann noch mal für die gesamte Frankfurter Innenstadt (siehe Foto). Willkürlich, ungerechtfertigt und irgendwie auch reichlich konfus. Nach zwei Stunden Zwangsaufenthalt hat die Polizei dann noch einen Vorwand gefunden, einen der Busse nicht weiterfahren zu lassen, so dass ein Teil der AktivistInnen sich dann mit Taxi und ÖPNV nach Frankfurt durchschlug. Beschlagnahmt wurden bei unserem Bus die Großzelte, beim anderen Bus auch private Kleinzelte, bei manchen Leuten Sonnenbrillen, Halstücher und Mützen, bei anderen nichts von alldem. Als ich dann am späten Abend in Frankfurt endlich auf dem Weg zu unserer gemeinsamen Unterkunft war, musste ich ein paar hundert Meter durch die mir verbotene Innenstadt laufen – ein komisches Gefühl, so allein unterwegs zu sein und zu denken, dass man jetzt ohne jeden weiteren Anlass durch eine banalen Personenkontrolle in Gewahrsam genommen werden könnte.

Am Freitag waren Blockaden der EZB angekündigt – Gewahrsam drohte im Zweifel sowieso, also war mich auch mein Platzverweis egal. Immer mit Blick auf den Blockupy-Ticker, der den ersten Treffpunkt kommunizieren sollte, machte ich mich mit der Bezugsgruppe auf den Weg in die Innenstadt. Wenn man versucht, nicht in der Nähe von Banken rumzustehen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, merkt man erst so richtig, wie viele es in Frankfurt gibt…

Kurz vor dem ersten Treffpunkt dann eine Personenkontrolle – mitten in der Zone, für die ich seit über zwölf Stunden einen Platzverweis hatte. Das wars dann wohl – ich würde einfahren und meine Bezugsgruppe müsste ohne mich weiter. Wir wurden noch durchsucht, dann gingen sie mit unseren Ausweisen zum Wagen, Daten durchgeben. Ich habe schon mal abgesprochen, wer das Erste-Hilfe-Set nimmt, dann kamen die Polizisten zurück. Sie gaben uns die Ausweise und wir konnten weitergehen. Repression plus Konfusion = Polizei in Frankfurt? Vielleicht wahr ihnen auch nur schon klar, dass sie nicht alle Leute mitnehmen könnten, die ihre Platzverweise nicht beachteten.

Vom Sammelpunkt setzen sich dann ca 800 Leute in Bewegung – wir demonstrierten in der Frankfurter Innenstadt. Eins zu null für Blockupy. Als die Polizei dann ernstaft versuochte, die Dtemo zu stoppen, spalteten wir uns auf. Mein Teil der Aktion wurde später eingekesselt (der Kessel in der Beethovenstraße) und dort bis zu fünf Stunden festgehalten. Nach einiger Zeit fur die Polizei einen Bus voll Leute in die Gefangenensammelstelle, dann noch mal ein paar Gefangentransporter. Dann trugen oder führten sie auch den Rest von der Krezung zur nächsten Querstraße (wer sich nicht leicht wegtragen ließ, wurde von der Polizeieinheit aus NRW über den Boden geschleift). Dort saßen wir dann wieder eine Weile, bis die Einsatzleitung zugab, keine Kapazitäten mehr zu haben, um uns abzutransportieren. So wurden wir nach Personalienaufnahme und einem erneuten Platzverweis (mein erster war immer noch nicht ausgelaufen) freigelassen.

In der Zwischenzeit war es anderen gelungen, auch in unmittelbarer Nähe der EZB Blockaden zu bilden. Viele verbrachten zumindest einen Teil des Tages in Kesseln und/oder in Gefangenensammelstellen. Eine Genossin musste stundenlang gefesselt an der Straße stehen, wobei ihr sogar lange Getränke verweigert wurden, bis sie schließlich abtransportiert wurde. Angesichts dieses unmöglichen Vorgehens der Polizei gab es am Abend im benachbarten Offenbach noch eine Demonstration gegen die Repression – mitorganisiert von den dortigen solids und mit guter Stimmung und hunderten DemonstrantInnen durch die kleinstädtische Fußgängerzone. Damit war der Tag dann auch lang genug – heute folgte die schon erwähnte Demo. Wir demonstrieren wo wir wollen – gegen Verbote und Kontrollen!

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2 Antworten zu Blockupy Frankfurt – drei Tage Polizeistaat und ein großer Erfolg

  1. benbrusniak schreibt:

    Reblogged this on Ben Brusniak.

  2. Pingback: Vom Suchen und Finden | fepix

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