Das Problem heißt Rassismus – von der Demo in Lichtenhagen

Fast direkt aus dem Urlaub war ich am Samstag bei der Demonstration zum Gedenken an den 20. Jahrestag der Pogrome von Rostock-Lichtenhagen. Die Kundgebung am Vormittag in der Innenstadt, bei der eine Gedenktafel ans Rathaus angebracht wurde (beim ersten Versuch, diese Tafel anzubringen, wurden die Beteiligten noch festgenommen) habe ich verpasst, ich bin zu Beginn der Demo durch Lichtenhagen angekommen. Die wuchs mit der Zeit auf bestimmt 5.000 Menschen (laut Demorga 6.500) an – wobei ich sie nie mehr von Anfang bis Ende gesehen habe und nur sehr grob schätzen kann.

Sehr positiv fand ich den Ablauf der Demo: Ich habe nur einmal einen Böllerwurf nach mutmaßlicher Naziprovokation am Wegesrand gesehen, nachdem dann etwas Polizei an der entsprechenden Stelle aufzog. Insgesamt hat die sich sehr zurück gehalten und die Demo nicht gestört – die Verantwortlichen konnten sich wohl denken, wie verheerend das öffentliche Echo bei einem Angriff auf die Demo gewesen wäre. Zu nah wären die Bilder von 1992 gewesen, als die Polizei nicht immer zuschaute: Gegen Antifa-AktivistInnen, die sich den Brandstiftern entgegenstellten, konnte sie damals durchaus vorgehen.

Während das Medienecho soweit ich sehen konnte ganz positiv ausfällt, hätte die Kommunikation unserer Positionen vor Ort durchaus besser sein können. Ganz grundlegend meine ich da, dass eine Demo durchaus gewinnt, indem man Flyer an umstehende PassantInnen verteilt – und weitergehend vielleicht weniger die eigene Identität durch Abgrenzung von der lokalen Bevölkerung aufwertet als versucht, diese für unsere Positionen zu gewinnen.

Ansonsten würde ich von einem durchaus erfolgreichen Tag sprechen – auch die Kritik an der aktuellen Flüchtlingspolitik und somit staatlichem Rassismus ist durchaus durch die Medien gedrungen. Der unsägliche Leitartikel der FAZ, in dem die faktische Abschaffung des Asylkompromisses unter dem Eindruck des Pogroms als Wende aus der multikulturalistischen Illusion in die Vernunft gefeiert wurde, hat auch aus dem bürgerlichen Lager scharfen Gegenwind erfahren und wurde inzwischen in der online-Version leicht entschärft (hier ein ND-Artikel dazu).

Vom Konzert zur Abschlusskundgebung, das wesentlich von der Linksjugend [’solid] MV organisiert wurde, habe ich nur den Anfang mitbekommen – da war die Stimmung aber schon gut und nach dem, was ich sonst gehört habe, ist es bis zum Schluss gut verlaufen und war auch noch ordentlich besucht. Von den Reden hat mich besonders die eines Kieler Antifa-Aktivisten beeindruckt, der beschrieb, wie er 1992 die Ohnmacht der antifaschistischen Bewegung gegen die Pogrome erfahren hatte.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Jugendverbände abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s