Partei intensiv

Heute hatte ich mal einen Intensivtag Parteipolitik: Am Vormittag war ich bei der Selbsthilfegruppe von Hartz IV-Betroffenen bei der LINKEN in Eidelstedt (ein Stadtteil in meinem Bezirk, Eimsbüttel), dann habe ich noch schnell eine Presserklärung zur Bundeswehrwerbung mit Jugendcamps geschrieben und heute abend war noch Mitgliederversammlung in Eimsbüttel mit Inputs aus der Bezirks-, Bürgerschafts- und Bundestagsfraktion.

Die Hartz IV-Selbsthilfegruppe, die sich seit März dieses Jahres regelmäßig am dritten Mittwoch im Monat im Bürgerhaus Eidelstedt trifft, ist zu Recht ein großer Stolz meines Bezirksverbands. Heute saßen gut zehn Leute in der Runde (die Mehrheit Parteimitglieder, die selbst von Hartz IV betroffen sind) und haben sich ausgetauscht, außerdem kamen mehrmals einzelne Menschen vorbei und haben sich von den erfahreneren Hartz-IV-AktivistInnen zu konkreten Fragen beraten lassen. Die Gruppe scheint als Institution im Stadtteil also halbwegs bekannt zu sein – was wiederum auch nicht so verwunderlich ist, weil die Mitglieder regelmäßig vor der Arge flyern, Plakataufsteller mit den Terminen pflegen und es schon ausführliche Berichte in den lokalen Anzeigenblättern gab, die LINKE Politik sonst kaum wahrnehmen. Und schließlich beteiligt sich die Gruppe noch ausdrücklich an der Mobilisierung zum Umfairteilen-Aktionstag. Wirklich mal eine Geschichte, die einen froh macht, in dieser Partei zu sein :-).

In der U-Bahn zum Treffen und auf dem Weg zurück habe ich noch schnell meine erste Pressemitteilung als jugendpolitischer Sprecher des Parteivorstands verfasst, nämlich zu den BW-Adventurecamps, mit denen die Bundeswehr Jugendliche ködern will. Für ein großes Medienecho war die wahrscheinlich ein paar Tage zu spät, aber ein Punkt war mir noch wichtig:

Die Bundeswehr benutzt zugleich auf zynische Weise die soziale Spaltung, wenn sie mit kostenlosen Ferienlagern wirbt. Wie auch mit der Aussicht auf ein bezahltes Studium oder einen sicheren Ausbildungsplatz zielt ihre Werbung besonders auf Jugendliche ab, die von Armut betroffen sind. Kinder von Zahnärztinnen und Bankern können sich Urlaub am Mittelmeer auch ohne Kriegspropaganda leisten – von Hartz IV lebende Jugendliche dagegen kaum.

Und ich konnte mir natürlich nicht verkneifen, auf die Aktionswoche für militärfreie Bildung und Forschung hinzuweisen, die nächste Woche stattfindet und auch von der LINKEN unterstützt wird (und für die meine Jugendverbands-Basisgruppe immerhin zwei Flyerverteilungen plant).

Heute abend hatte der Bezirksverband Eimsbüttel dann noch seine Mitgliederversammlung – ungefähr vierzig Menschen waren zu einem kurzen Bericht zur umfairteilen-Mobilisierung und einer längeren Diskussion mit Jan van Aken aus der Bundestagsfraktion und Cansu Özdemir aus der Hamburger Bürgerschaftfraktion gekommen. Cansu hat die Kampagne „abgescholzt“ der Bürgerschaftsfraktion vorgestellt, mit der über die Kürzungspolitik des SPD-Senats informiert und dagegen mobilisiert werden soll. Das erste plastische Beispiel gab es dann direkt vor Ort: Der Verein, bei dem wir uns getroffen haben, soll für eine wichtige Arbeit in der Lenzsiedlung in Zukunft mit 35.000 € weniger auskommen, was für massive Einbußen bei der offenen Kinder- und Jugendarbeit bedeutet.

Am Samstag geht die Mobilisierung für Umfairteilen in die nächste Runde – der Bezirksverband organisiert drei Infostände in Eimsbüttel. Außerdem sind wir natürlich gespannt, was die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksversammlung mit dem Antrag unserer Fraktion macht, als Bezirk das Bündnis zu unterstützen. Dem Beispiel Marburgs darf gefolgt werden…

(Foto: Hamburger Mitglieder von Parteivorstand und Bundesausschuss mit Umverteilen-Plakaten)

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Eine Antwort zu Partei intensiv

  1. Bernd schreibt:

    Im Zuge der Auslandeinsätze der heutigen Bundeswehr. Ein Blick auf die USA z.B. nur auf den Vietnamkrieg und das Durschnittalter, sowie der Gesellschaftsstruktur der dort eingesetzten SoldatInnen könnte die zynische, aber dem nachstehenden Textzitat entsprechende Vermutung zulassen, – wer arm ist stirb eben eher -.

    “ Die Bundeswehr benutzt zugleich auf zynische Weise die soziale Spaltung, wenn sie mit kostenlosen Ferienlagern wirbt. Wie auch mit der Aussicht auf ein bezahltes Studium oder einen sicheren Ausbildungsplatz zielt ihre Werbung besonders auf Jugendliche ab, die von Armut betroffen sind. Kinder von Zahnärztinnen und Bankern können sich Urlaub am Mittelmeer auch ohne Kriegspropaganda leisten – von Hartz IV lebende Jugendliche dagegen kaum.“

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