Die Debatte um Bundeswehr-Bravo-Adventurecamps geht weiter

Ich hatte ja befürchtet, die öffentliche Aufmerksamkeit wäre schon vorbei, als ich gestern meine Pressemitteilung zu den Abenteuercamps der Bundeswehr geschrieben habe – aber die Debatte geht noch ordentlich weiter: Heute hat mich das Münchener Radio Lora interviewt (was mir nicht so gut gelungen ist), Robert Fietzke aus SAN wurde in der jW zur Protestseite auf facebook befragt, der BundessprecherInnenrat der Linksjugend [’solid] hat einen offenen Brief verfasst und auf fb geht die Debatte auch weiter rund. Ich versuche mal einen Überblick:

Die Bundeswehr veranstaltet im Herbst zwei „BW-Adventure Camps“ mit je 30 TeilnehmerInnen, das erste vom 27. September bis 2. Oktober bei der Luftwaffe auf Sardinien, das zweite vom 8. bis 11. Oktober in Berchtesgaden bei der Luftwaffe den Gebirgsjägern. Ähnliche Angebote für Jugendliche gab es schon in der Vergangenheit – hier gibt es z.B. einen Bericht der Bundeswehr vom Aufenthalt über den Besuch von 22 Jugendlichen in Sardinien diesen Sommer. Ein Sprecher der Bundeswehr erklärte gegenüber afp, das Programm laufe schon seit 2004.

Ben Brusniak hat dazu noch rausgefunden:

Seit 2005 gibt es die Veranstaltung, die nur einen kleinen Teilnehmerkreis von 20 bis 30 Leuten umfasst. Die Teilnahme ist wie bei den Jugendsportevents der Bundeswehr vollkommen kostenfrei – es wird allerdings eine gewisse Fitness vorausgesetzt. Bei der Anmeldung müssen die letzte Note im Schulsport sowie die gesammelten Schwimm- und Sportabzeichen angegeben werden. Neben der Veranstaltung ist besonders die Methode der öffentlichen Bekanntmachung der „Bundeswehr Adventure Games“ (kurz: BAG) interessant: seit (mindestens) 2006 wird das Event gemeinsam von der Bundeswehr und dem größten deutschen Jugendmagazin, der Bravo, präsentiert. Die wenigen Teilnehmerplätze werden zur einen Hälfte unter den Mitgliedern der Community der http://www.treff.bundeswehr.de-Website und zur anderen Hälfte unter den Bravo-Lesern verlost.

Auszug aus: An der Heimatfront – Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr (Michael Schulze von Glaßer)

Soweit ich das nachvollziehen konnte, hat die Petition von Terre des hommes die jetzige öffentliche Debatte losgetreten (ich war eine Woche offline und konnte das nicht verfolgen). Tdh ruft dazu auf, mit einer Protestmail den Verteidigungsminister und die Bravo-Redaktion dazu aufzufordern, die Bundeswehr-Camps für Minderjährige zu stoppen und irreführende Werbung für den Soldatenberuf in Kinder- und Jugendmedien zu unterlassen.

Dazu gab es eine Menge Presseresonanz und intensive Proteste auf den youtube- und facebook-Auftritten der Bravo. Als Redaktion darauf wurde zunächst die Kommentarfunktion beim Werbevideo deaktiviert, inzwischen hat Bravo.TV den zentralen Sport ganz online genommen, andere Videos von und zu den Adventurecamps sind aber noch im Bravo-Kanal zu sehen.

Laut einem Kommentator bei taz.de war das Video zunächst wegen GEMA-Lizenzproblemen gesperrt, bevor es offline genommen wurde. Am Dienstag verbreitete afp die oben zitierte Stellungnahme eines Bundeswehrsprechers, die wiederum von vielen Medien aufgegriffen wurde. Darin hieß es auch, dass sich 800 Jugendliche um die Reisen beworben hätten.

Auf facebook gibt es eine Protestseite gegen die Kooperation unter dem Titel Bravo gut getroffen, die zur Zeit 1.248 likes gesammelt hat – noch knapp vierzig weniger als die facebookseite der „BW-Adventure Camps“.

Liebes Dr Sommer Team,
seit seinem letzten Auslandseinsatz schreit mein Freund mich immer an, wenn ich ihn berühre, liegt das an mir?

(benbrusniak)

Update: Bei detektor.fm gibt es ein Inteview dem Dezernatsleiter Personalgewinnung bei der Bundeswehr, der natürlich rechtfertigt, aber auch ein paar interessante Infos gibt.

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2 Antworten zu Die Debatte um Bundeswehr-Bravo-Adventurecamps geht weiter

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