Bildet Stadtteilgruppen!

Gestern nachmittag bin ich nach Bremen gefahren – nicht nur aus Nostalgie zu meiner ehemaligen [’solid] – und SDS-Gruppe, sondern vor allem, weil ich den Ortsverband Walle/Gröpelingen der Partei und seine Arbeit kennen lernen wollte. Und weil man sich als PV-Mitglied ja nicht ganz ohne Gegenleistung die Erfahrungen der Genossinnen und Genossen einverleiben sollte, habe ich auch noch ein bisschen aus den Diskussionen des Parteivorstands um die Wahlstrategie für 2013 erzählt.

Was ich genau in Gröpelingen gesucht habe, wird mir erst jetzt auf der Rückfahrt klar: Es ist ein Ort der Parteiarbeit, den ich bisher in meinen Kreisverbänden der LINKEN vermisst habe. Ein Ort, zu dem jedes Mitglied logischerweise kommt, wenn es sich aktiv in die Parteiarbeit einbringen möchte. Das leistet keine Mitgliederversammlung, bei der unter strikter Einhaltung der Formalia und Redelisten einige Dutzend GenossInnen im besseren Fall inhaltliche Fragen diskutieren so gut das im großen Kreis geht, im schlechteren Fall nur zu Wahlen und Abstimmungen zusammenkommen um im schlimmsten Fall im Streit wieder auseinandergehen. Das leistet auch kein Kreisvorstand – auch wenn er alle interessierten Mitglieder zu seinen Sitzungen einlädt. Es sind eben doch seine Sitzungen, Vorstandssitzungen, und nicht Treffen aller, die mitmachen wollen.

Der Ortsverband Walle/Gröpelingen scheint mir dagegen so ein Ort zu sein. Ein Ort, an ein gutes Dutzend Parteiaktiver jede Woche zusammenkommt, um in lockerer Runde ohne vorgegebene Tagesordnung und formalisierte Debatten GenossInnen zu treffen, sich auszutauschen, Informationen zu bekommen, die eigene Arbeit in Beiratsausschüssen (Beiräte sind die Stadtteil-Kommunalvertretungen Bremens) mit anderen zu besprechen und daraus Initiativen zu organisieren – seien es Flugblattverteilungen, Infostände oder Veranstaltungen.

Bevor meine Beschreibung noch euphorischer wird: Ich habe sie mir nicht selbst ausgedacht, sie besteht aus den Antworten auf meine Frage, warum die GenossInnen zu diesem Treffen kommen. Sie haben beschrieben, dass sie die Basisarbeit als produktives und respektvolles Miteinander durchaus unterschiedlicher Positionen empfinden, die zwischen GewerkschaftlerInnen, Alt-DKPlerInnen und Ex-Autonomen durchaus bestehen. Dass Machtkämpfe keine Rolle spielten und im Zentrum die Politik steht, die sie gemeinsam im Stadtteil machen. Und schließlich: dass die Treffen Spaß machen – ein Aspekt, der uns in der Partei sicher nicht selten zu kurz kommt.

So hat der Ortsverband auch GenossInnen wiedergewonnen, die nach ihrer ersten Mitgliederversammlung erst mal genug von der Partei hatten – weil sie in diesem Treffen eine Partei erleben, in der sie sich politisch zu Hause fühlen. Einen Vorstand haben sie übrigens auch gewählt, als sie den Ortsverband vor zwei Jahren gegründet haben. Er hat seitdem keine Aufgabe gefunden – weil die Arbeit komplett im wöchentlichen Treffen stattfindet und von allen getragen wird.

So wichtig vielen ihre Arbeit als sachkundige BürgerInnen in den kommunalen Ausschüssen ist – man könnte wirklich nicht sagen, dass sie sich in Kirchturmpolitik verlieren und die großen Fragen der Gesellschaft aus dem Blick verlieren, ja nicht einmal die der Partei: Das habe ich spätestens bei der engagierten Diskussion um die Wahlstrategie, den richtigen Umgang mit der SPD im Wahlkampf und die öffentliche Wirkung dessen gemerkt.

Während meine Fragen und mein Bericht einen Großteil des Treffens eingenommen haben, wurde am Rande noch eine Verteilaktion am Jobcenter abgesprochen und Informationen zu zwei kürzlich stattgefunden Brandstiftungen im Stadtteil ausgetauscht.

Neben viel Feedback für die Wahlstrategie im PV fahre ich vor allem um eine Erkenntnis reicher zurück nach Hamburg: DIE LINKE braucht solche Stadtteilgruppen – und wir weil wir nicht vergessen sollten, auch unsere Erfolgsgeschichten zu erzählen, habe ich diese mal aufgeschrieben :-).

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