Mietenwahnsinn stoppen – Hausbesetzung in Spanien

Nach der Mietenwahnsinn stoppen-Demo in Hamburg (Übersicht zum Medienecho hier) heute gab es noch eine Hausbesetzung (die inzwischen leider geräumt ist) und eine tolle Veranstaltung mit AktivistInnen aus Spanien von Avanti und der Hafenstrasse.

Die BewohnerInnen und UnterstützerInnen der Corrala de Vecinas la Utopia in Sevilla berichteten sehr eindringlich von der Entstehung ihrer Besetzung. Aktiviert durch die Bewegung 15M in Spanien haben sich dort Menschen zusammengefunden, die durch Arbeitslosigkeit, Verarmung un Zwangsräumungen im Zuge der Krise ihre Wohnungen verloren haben und ein seit Jahren leerstehendes Haus besetzt, das der Bank IberCaja gehört.

Während Besetzungen leerstehender Häuser durch Menschen, die dringend Wohnraum benötigen, in Sevilla nicht ganz unüblich sind, unterscheidet sich die Corrala durch ihre bewusste Öffentlichkeit: Statt die Besetzung möglichst unauffällig zu gestalten und so Zeit zu gewinnen, traten die BewohnerInnen gezielt an die Presse um auf die Wohnraumprobleme aufmerksam zu machen und auf eine politische Lösung zu drängen.

Dafür bezahlen sie einen hohen Preis: Zwar hat der Eigentümer für die Zeit der Verhandlungen auf eine Räumung vorerst verzichtet, aber anders als anderen besetzten Häusern wurde ihnen mit großem Aufwand die Strom- und Wasserversorgung gekappt. In einem Video (spanisch) erzählen einige der Besetzerinnen (die Aktion wird besonders von Frauen getragen) von ihrer Situation und Motivation.

Zur Zeit gibt es in Spanien täglich über 500 Zwangsräumungen von Menschen, die ihre Immobilienkredite nicht mehr bezahlen können. Anders als in den meisten Ländern müssen die SchuldnerInnen ihren Kredit in Spanien weiter bezahlen, obwohl die Wohnung der Bank zufällt. Sie sind also obdachlos und sitzen zugleich auf einem Schuldenberg – eine international fast einmalige Situation, die die spanische Regierung jetzt zu ändern versprochen hat.

Besonders beeindruckend fand ich an dem Bericht aus der Corrala, das deutlich wurde, dass dort „ganz normale Menschen“ sich den leerstehenden Wohnraum nehmen, weil sie sehen, dass ihnen niemand anders helfen wird als sie selbst. Ein ermutigendes Statement aus der Krise: Menschen wehren sich und organisieren sich, um ihre Interessen selbst in die Hand zu nehmen. Gleichzeitig hat die Zusammensetzung der Gruppe mit Menschen unterschiedlichsten Alters einschließlich Familien mit Kindern dazu geführt, dass die Besetzung öffentlich anders gesehen wurde, als wenn eine Gruppe linksradikaler Jugendlicher als politisches Statement ein Haus besetzt hat (was auch legitim, richtig und unterstützenswert wäre). Die Bedrohung des Verlusts der eigenen Wohnung ist für einen Großteil der spanischen Mittelschicht real – weshalb sich viele mit Aktionen wie der Corrala identifizieren können.

Zum Schluss wurde bei der Veranstaltung noch die Frage diskutiert, wie wir praktisch internationale Solidarität organisieren könnten – ein Ansatz wäre die Deutsche Bank, die in Spanien viele Wohnungen zwangsräumen lässt…

Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s